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Keine andere Gruppe von Wildtieren geniest soviel Zuneigung und Interesse wie die Vögel. Die Mengen von Vogelfutter, die heute jeder Supermarkt anbietet, zeigen, daß wir zumindest auf diesem Gebiet des Guten fast zuviel tun. Auch der Verkauf von
Nistkästen kann sich sehen lassen von den selbstgebastelten ganz zu schweigen. Ein dritter Bereich ist die Beobachtung wildlebender Vögel, was in Ländern wie England und Amerika zu einer wahren Volksleidenschaft geworden ist, aber auch bei uns sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Naturbeobachtung unterscheidet sich von anderen Arten des Naturgenusses, wie Jagd oder Sportfischerei, dadurch, daß sie nicht mit »materieller Aneignung« verbunden ist. Und sie unterscheidet sich von modernen Formen sportlichen Naturgenusses, wie Pisten-Skifahren, Bootssport und dergleichen, dadurch, daß sie im wesentlichen ohne Eingriffe in die Landschaft auskommt.


Gleichwohl kann auch der Naturbeobachter als Störfaktor wirken, vor allem, wenn er mit den Besonderheiten eines Lebensraumes und der dort vorkommenden Arten nicht vertraut ist. Es liegt aber letztlich im Interesse des Naturbeobachters selbst, empfindliche Tier- und Pflanzenarten nicht zu vertreiben oder zu schädigen.

Darum gilt für ihn in besonderem Maße als oberstes Gebot:
Der Schutz von Arten und Lebensräumen hat stets Vorrang!


Voraussetzungen

Die Kunst des Vogelbeobachtens kann schon in der alltäglichen Umwelt ausgeübt und gelernt werden. Am winterlichen Futterhaus dessen biologischer Nutzen eher gering, dessen pädagogischer Wert aber sehr hoch einzuschätzen ist kann man ohne Fernglas bereits grundlegende Kenntnisse erwerben. Da können wir Arten unterschieden lernen, indem wir auf ihre augenfälligen Merkmale achten. Dazu gehören GröRe, Gestalt, Färbung und Verhalten, die man aniangs wie Vokabeln lernen muR. Bestimmungsbücher helien bei der Identiiirierung und richtigen Benennung. Schon bald erkennt man häufig beobachtete Vogelarten aber nicht mehr an ihren Einzelmerkmalen, sondern als »Gesamtgestalt« - so wie man einen guten Bekannten erkennt, ohne viel nachdenken zu müssen.


Ein sehr wichtiges Erkennungsmerkmal bei Vögeln läßt sich am winterlichen Futterhaus leider nur ganz unzureichend studieren: ihre Lautäußerungen, vor allem ihre Gesänge. Hier helfen auch Bücher kaum weiter. Und auch von Vogelstimmen-Kassetten darf man sich nicht zuviel versprechen. Vogelstimmen lernt man am besten durch ständige Übung in freier Natur - wobei die Anleitung durch einen Kenner sehr hilfreich ist. Im Gegensatz zum Gesang auf Tonträger gibt einem nämlich der Aufenthaltsort des Sängers in der Natur bald wichtige Hinweise: In einem reinen Schilfbestand kommen als Sänger völlig andere Arten in Betracht, als in einem Wald. Manche Arten singen bevorzugt von hohen Warten aus, andere lieber in bodennahem Gestrüpp. Solche Hinweise fehlen den »Klangkonserven«, so daß auch Kenner manchmal ihre Schwierigkeiten damit haben.


Wie wichtig das Erkennen von Vogelstimmen für den ernsthaft Interessierten ist, geht aus der Tatsache hervor, daß Bestandsaufnahmen zur Brutreit (besonders in dichter Vegetation) rum größten Teil nur über das Gehör möglich sind -jedenfalls mit begrenztem Zeitaufwand.


Fernglas und Fernrohr

In einer Zeit, da beinah alles Geld kostet, liegt ein großer Vorteil der Vogelbeobachtung darin, daß man mit einem Minimum an Ausrüstung auskommt. Fernglas, Bestimmungsbuch und Notizblock reichen auch für Fortgeschrittene aus. Über wetterfeste Kleidung und ein Paar Gummistieiel wird man als Naturfreund ohnehin verfügen. Dabei sollte freilich auf gute Qualität und Zweckmäßigkeit geachtet werden. Gummizeug, das bei Kälte steif wird und bei Wärme Schwitzen macht, ist ebensowenig geeignet, wie Kunstfasermaterialien, die bei jeder Bewegung Geräusche erzeugen. Auch auf »Schockiarben« wird man verzichten - wenn man deswegen für Vögel auch kaum unsichtbarer wird.

Vögel sind Augenwesen wie wir, nur viel scharfsichtiger. Die Fluchtdistanz der meisten Arten ist so groß, daß wir mit bloßem Auge oft nur Punkte in der Landschaft ausmachen können. Ein Fernglas ist daher wichtigste Voraussetzung für Vogelbeobachtungen in freier Natur. Gläser mit einer über l0-fachen Vergrößerung sind aus freier Hand kaum noch zitterfrei zu halten. Eine 7-fache Vergrößerung ist daher üblich und zu empfehlen.

Neben der Vergrößerung eines Glases hat auch seine Lichtstärke eine gewisse Bedeutung, vor allem bei ungünstigen Lichtverhältnissen. Sie hängt mit dem Durchmesser der Objektive zusammen: je größer die Linsen am vorderen Ende des Fernglases sind, desto lichtstärker ist es. Vergrößerung und Objektivdurchmesser sind auf jedem Glas angegeben. 7x30 bedeutet 7fache Vergrößerung bei einem Objektivdurchmesser von 30 mm. Da sich die Lichtstärke aus dem Verhältnis von Objektivdurchmesser zu Vergrößerung errechnet, empfiehlt es sich, bei stärkeren Vergrößerungen auch größere Objektivdurchmesser zu wählen. 8x30 oder 10x40 sind geeignete Formate.
Es gibt Ferngläser mit befriedigender Leistung bereits zu Preisen unter 800 Schilling. Markengläser, die sich durch größere Robustheit und bessere Optik auszeichnen, können aber 10.000 Schilling und mehr kosten. Brillenträger sollten darauf achten, ein Glas mit Okularen zu erwerben, die das Abnehmen der Brille ersparen. Wer viel an Gewässern und in ähnlichen weiten Landschaften beobachtet, wird sich mit der Zeit ein stärker vergrößerndes Fernrohr anschafien wollen. Man unterscheidet hier zwischen zusammenschiebbaren Linsenfernrohren (Spektiven) und feststehenden Prismenfernrohren. Neuerdings gibt es auch kurze und relativ leichte Prismenfernrohre, oft auch mit der Möglichkeit, verschiedene Vergrößerungen einzustellen.  Wichtig ist auch hier, auf gute Bildschärfe und Lichtstärke zu achten.

Bestimmungsbücher

Vogelbücher gibt es in großer Zahl, und mit der Zeit wird sich jeder Hobby-Ornithologe eine kleine Bibliothek zulegen. Denn auch die Vogelkunde ist bereits in viele Unterdisziplinen aufgespalten. Da gibt es Bücher über den Vogelzug, über Greif- oder Watvögel, über Schwimm- oder Singvögel, über Vogelverhalten, über Vogelstimmen und es gibt viele Avifaunen, Beschreibungen der Vogelwelt eines

bestimmten Gebietes. Schließlich gibt es die großen, mehrbändigen »Handbücher« für Fortgeschrittene. Für den Anfänger kommen aber vor allem Bestimmungsbücher in Frage.

Die Stadtbücherei Amstetten ist eine Quelle für
viele interessante Vogelbücher für jeden Zweck!



Weitere Hilfsmittel

Das teuerste Fernglas und das beste Bestimmungsbuch nützen wenig, wenn einer nicht die Grundvoraussetzungen für jegliche Naturbeobachtung mitbringt oder entwickelt:
Geduld, Ausdauer und Liebe fürs Detail. Das schöne aber an der Vogelbeobachtung ist, daß diese Fähigkeiten wachsen, je mehr man sich mit der Sache befaßt. Darin liegt ihre geradezu therapeutische Wirkung: So manches Nervenbündel hat schon bei geduldiger Naturbeobachtung seine Seelenruhe wiedergefunden und braucht sie immer wieder als Ausgleich.
Natürlich gibt es auch bei Vogelbeobachtern individuelle Unterschiede. Der eine saust von Ort zu Ort, stets auf derJagd nach Raritäten. Ein anderer hält es stundenlang am selben Fleck aus. Manchen liegt mehr die gründliche Er~orschung ihrer näheren Umgebung am Herzen, andere zieht es in ierne Länder. Der eine mißt seinen Erfolg an der Zahl der an einem Tag festgestellten Vogelarten (eine nicht nur in Amerika verbreitete Sucht), andere bevorzugen ausgiebige Verhaltensstudien an einer einzigen Art.